Sie sind hier:  >>> Filmkritik 

Lolita

Autor: Maurice Schuhmann 

 

Lolita 

Sieben Jahre nach der englischsprachigen Veröffentlichung des Romans „Lolita“ von Vladimir Nabokov im französischen Verlag Olympia Press verfilmte ihn 1962 der amerikanische Kultregisseur Stainley Kubrick. Kein leichtes Unterfangen, ein Werk umzusetzen, das nicht nur ein pädophiles Verhältnis eines erwachsenen Mannes zu einem zwölfjährigen Mädchen erzählt, sondern auch die Beschreibung einer Vergewaltigung beinhaltet – ein Werk, dessen Titel zum Namenspatron von Kindsfrauen wurde.

 

 

Kubrick ist es dabei gelungen, die Geschichte mit viel schwarzen Humor und Fingerspitzengefühl in Schwarzweiss-Bilder zu übersetzen. Wie auch in seinem letzten Film „Eyes wide shut“ fasziniert Kubrick die Inszenierung des Themas sexueller Obsession. Besessen ist der Engländer Humbert (James Mason), der sich in die frühreife Tochter Dolorosa „Lolita“ (Sue Lyon) seiner Frau Charlotte Haze verliebt (Shelly Winters); er zwingt sie zu einer Reise durch Amerika, ohne ihre Mutter. Lolita ist dabei aber nicht nur das Opfer der Begierden von Humbert, sondern inszeniert selbst ein Szenario, in dessen Verlauf sich Humbert von Menschen verfolgt fühlt, die seiner Obsession im Weg stehen. Aus Gründen der Pietät hat Kubrick das Alter seiner Protagonistin nach oben korrigiert: Im Film ist sie bereits fünfzehn. Darüber hinaus kommt der Film ohne Aktaufahmen oder Sexszenen aus. Dennoch strahlt Sue Lyon als Lolita eine ungeheure Erotik aus. Zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung für den Film war sie gerade 14 Jahre alt. Auf diesen Film folgten diverse gewagte Rollen, in denen sie das Image als junge Nymphomanin ausbaute.
Knapp 35 Jahre später versuchte sich auch Adrian Lyne („9½ Wochen“) an einer Verfilmung des Stoffs. Diese Verfilmung ist allerdings weit von der Qualität der Kubrickschen entfernt, obwohl sie sich weitaus näher an der Literaturvorlage orientiert. Trotz einiger Aktaufnahmen von Dominique Swan und der Besetzung der Rolle der Mutter mit Melanie Griffith provoziert die zweite Verfilmung weitaus weniger als Kubricks Film.



Lolita (Australien 1962, R.: Stainley Kubrick) – nach dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov.

 

Teilen

 

 

 

Zugriffe heute: 10 - gesamt: 23613.

 

 

Diese Seite drucken